Call for Abstracts: Tiere in der Klimakatastrophe (Tierstudien, Ausgabe 30/2026)

RHN 134/2025 | Call

Editor: Jessica Ullrich

Tierstudien, Ausgabe 30/2026, Neofelis-Verlag

Deadline for Submissions: 1 February 2026

Call for Abstracts:
Tiere in der Klimakatastrophe


Die globale Klimakatastrophe ist keine rein menschliche Angelegenheit. Sie betrifft alles Leben und stellt insbesondere für nicht-menschliche Tiere eine existentielle Bedrohung dar. Vom fortschreitenden Artensterben über Lebensraumverlust und klimabedingte Migration bis hin zu neuen Formen der Instrumentalisierung: Tierliche Existenzen sind tiefgreifend in die ökologischen, ökonomischen und politischen Dynamiken der Erderwärmung verstrickt. Zugleich bleiben mehr-als-menschliche Perspektiven, Erfahrungen und Handlungspotenziale in öffentlichen Diskursen und wissenschaftlichen Analysen oftmals marginalisiert. Tiere werden in der Klimadebatte vor allem als passive Opfer, statistische Größe, symbolische Platzhalter oder ‚Emissionsfaktoren‘ dargestellt. Diese Ausgabe von Tierstudien lädt dazu ein, Tiere im Kontext der Klimakrise als Akteur:innen zu begreifen– als aktive, betroffene, politisch relevante, bedeutungstragende und relational eingebundene Individuen oder Spezies.

Wir suchen Beiträge, die sich, mit einer von den Animal Studies informierten Haltung, mit allen denkbaren Verflechtungen von Tieren und Klimawandel auseinandersetzen.

Sie könnten diskutieren, wie sich Tierleben durch den Klimawandel konkret verändern: Wie verhalten sich Tiere angesichts klimabedingter Lebensraumveränderungen oder extremer Wetterphänomene? Inwiefern lassen sich Tiere als widerständige, kreative oder adaptive Akteur:innen verstehen – sei es durch unerwartete Migrationsmuster, verändertes Sozialverhalten oder die Besiedlung neuer (auch urbaner) Lebensräume – und wie wird dies gedeutet? Wie wirken sich globale Erwärmung und extreme Wetterereignisse auf Tierpopulationen, Biodiversität und das mehr-als-menschliche Zusammenleben aus? Wer sind die tierlichen Profiteur:innen des Klimawandels und was bedeutet das für andere Arten? Auch kritische Reflexionen darüber, wie Tiere in der Klimadebatte repräsentiert werden, sind willkommen: Welche Tiere stehen im Zentrum medialer Aufmerksamkeit – etwa als Ikonen der Klimakatastrophe wie der Eisbär, der Koala oder das Korallenriff – und welche bleiben unsichtbar? Welche affektiven, ästhetischen, symbolischen und ethischen Strategien prägen diese Darstellungen? In welcher Weise tragen Kunst, Literatur, Film, digitale und populäre Medien dazu bei, neue Narrative über Tiere unter den Bedingungen der Krise zu entwerfen und wie skizziert Klimafiktion planetare Zukünfte für Tiere? Von Interesse wären zudem Beiträge, die Tiere in konkrete politische und aktivistische Kontexte stellen: Welche Rolle spielen Tiere in Umweltprotesten, Klimaaktionen oder Interspezies-Allianzen? Reichen klimapolitische Argumente aus, um Veganismus überzeugend zu begründen, oder gerät dabei die tierethische Dimension aus dem Blick? Wie lassen sich Fragen von Klimagerechtigkeit mit tierethischen Anliegen zusammendenken? Welche Bedeutung haben indigene, animistische oder dekoloniale Wissenssysteme jenseits westlich-anthropozentrischer Ordnungssysteme für ein Verständnis tierlicher Verflechtungen mit dem Klima?

Auch Visionen von Multispezies-Parlamenten oder mehr-als-menschliche Modelle der Fürsorge und Solidarität im Zeichen der Klimakatastrophe könnten verhandelt werden. Außerdem möchten wir Räume eröffnen für Texte, die sich mit ‚ökologischer Trauer‘, Verlust, Erinnerungskultur oder musealen und künstlerischen Praktiken des Archivierens von durch den Klimawandel aussterbenden Arten beschäftigen.

Diese und weitere hier nicht genannte Themen, die den Klimawandel auf tiersensible Weise diskutieren, können aus allen Disziplinen eingereicht werden.

 

Abstracts von nicht mehr als 2.000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 1. Februar 2026 an jessica.ullrich@neofelis-verlag.de. Die fertigen Texte dürfen eine Länge von bis zu 25.000 Zeichen haben (inkl. Leerzeichen und Fußnoten) und müssen bis zum 1. Juni 2026 eingereicht werden. Danach gehen sie in die Peer Review an den wissenschaftlichen Beirat von Tierstudien. Auf Grundlage der Gutachten wird über die Annahme der Texte zur Veröffentlichung entschieden. Erscheinungsdatum für die angenommenen Texte ist Oktober 2026.

 

Kontakt

jessica.ullrich@neofelis-verlag.de

 

Weitere Informationen unter: https://neofelis-verlag.de/media/pdf/f2/1c/e5/cfp_tierstudien-30-2026_Tiere-in-der-Klimakatastrophe.pdf

 

Source: H-Soz-Kult