Call for Papers: Strukturwandel und Flurbereinigung im ländlichen Raum. Ostbayern im grenzüberschreitenden Vergleich mit Tschechien und (Ober-)Österreich

RHN 90/2026 | Call

Organiser: Professur für Bayerische Landesgeschichte und europäische Regionalgeschichte (Prof. Dr. Britta Kägler), Universität Passau

7 – 8 December 2026,  Universität Passau, Germany

Deadline for Submissions: 27 October 2026


Call for Papers:
Strukturwandel und Flurbereinigung im ländlichen Raum. Ostbayern im grenzüberschreitenden Vergleich mit Tschechien und (Ober-)Österreich
Workshop


Im Wintersemester 2026/27 richtet die Professur für Bayerische Landesgeschichte und europäische Regionalgeschichte an der Universität Passau einen Workshop zum Thema „Strukturwandel und Flurbereinigung im ländlichen Raum" aus. Ausgehend vom Raum Ostbayern nimmt er vergleichend die angrenzenden Regionen in Tschechien und (Ober-)Österreich in den Blick.

Weder der Strukturwandel noch die Flurbereinigung (bzw. Flurneuordnung) sind auf die Neueste Geschichte beschränkt. Insbesondere der süddeutsche Begriff der ‚Flurbereinigung' lässt sich bereits im Spätmittelalter nachweisen (Lkr. Passau 1242; Lkr. Deggendorf 1247). Diese in ihrem Kern (land-)wirtschaftlich ausgerichtete vormoderne Flurbereinigung erfuhr ab dem ausgehenden 19. und vor allem im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Erweiterung. Sie berührte fortan nicht mehr allein Fragen der Agrarverfassung und Bodenordnung, sondern griff tief in Siedlungs- und Infrastruktur, Landschaft und Umwelt, dörfliche Sozialgefüge und regionale Selbstbilder ein. Gerade diese Erweiterung gilt es für den ostbayerischen Raum in systematischer und vergleichender Weise zu analysieren.

In den vergangenen Jahren sind – teils mit erheblichem wissenschaftlichem Aufwand – vor allem volkswirtschaftliche Einzelstudien zum ländlichen Strukturwandel entstanden, die für ihren jeweiligen Untersuchungszeitraum (oft ab den 1970er/1980er Jahren) umfangreiche Vergleichsdaten erhoben haben. Eine systematische geschichtswissenschaftliche Grundlagenforschung steht demgegenüber noch aus. Angesichts der besonderen Bedeutung der entsprechenden Maßnahmen für den ländlichen Raum bieten sich hier regional ausgerichtete und grenzüberschreitend vergleichende Studien an. Ein besonderes Potenzial liegt in der Erfassung des ländlichen Raums durch Fallstudien, die einzelne Regionen – verstanden als landwirtschaftliche und geographische Einheiten – einander gegenüberstellen.

Der Workshop möchte solche Zugänge erproben und in ihrem methodischen Zugriff zur Diskussion stellen. Er setzt dabei auf drei Ebenen an

  1. Strukturierte Analyse auf Landkreisebene (1886–1994): systematische Erfassung der Maßnahmen zur Flurbereinigung und ihrer Auswirkungen auf der Ebene einzelner Landkreise.

  2. Grenzüberschreitender Vergleich: Überwindung der nationalstaatlichen Grenzen im Sinne einer grundsätzlich vergleichend angelegten Erforschung verbindender, trennender sowie übergreifender Elemente des Strukturwandels im ländlichen Raum des Dreiländerecks Bayern–Österreich–Tschechien.

  3. Konzeptionelle Erweiterung: Öffnung des zwischen ländlicher Selbstverortung, Regionalbewusstsein und Politik angesiedelten Themas für methodische Impulse aus der neueren Landesgeschichte, insbesondere aus der Kultur- und Umweltgeschichte (Stichworte „Regionalbewusstsein" bzw. „Heimatbewusstsein" und „Identität").

 

Mögliche Themenfelder

Willkommen sind sowohl empirisch fundierte Fallstudien als auch stärker konzeptionell-methodisch angelegte Beiträge. Als Anregung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – seien genannt:

  • Fallstudien zu einzelnen Regionen als landwirtschaftliche und geographische Einheiten, gern in vergleichender Gegenüberstellung;
  • Verfahren, Akteurinnen und Akteure sowie Verwaltung der Flurbereinigung (Behörden, Genossenschaften, betroffene Grundeigentümer);
  • Wechselwirkungen mit Wege- und Wasserbau, Siedlung, Infrastruktur, Landschaft und Umwelt;
  • Flurbereinigung als Instrument von Agrar-, Modernisierungs- und Raumordnungspolitik;
  • Wahrnehmung, Aushandlung, Zustimmung und Widerstand vor Ort;
  • grenzüberschreitende Verflechtungen und Divergenzen im Dreiländereck, auch unter den Bedingungen des Kalten Krieges und des „Eisernen Vorhangs" sowie im Wandel nach 1989/1991;
  • Erinnerung, Regionalbewusstsein, Heimat und Identität im Kontext von Struktur- und Flurwandel;
  • Quellen und Methoden: Verfahrensakten, Flur- und Katasterkarten, Luftbild, amtliche Statistik, ggf. Oral History.

Format und Rahmen

Der Workshop beginnt am ersten Tag um die Mittagszeit und endet am zweiten Tag nachmittags. Vorgesehen ist eine Übernachtung in Passau; je nach Entfernung kann eine zweite Übernachtung in Anspruch genommen werden. Für die Vorträge sind

jeweils 20–25 Minuten mit anschließender Diskussion vorgesehen. Tagungssprache ist Deutsch; Beiträge auf Englisch sind willkommen.

Für die Referentinnen und Referenten ist die Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten in Absprache mit den Veranstaltern vorgesehen.

Eine Publikation ausgewählter Beiträge ist angedacht.

 

Bewerbung

Wir bitten um Beitragsvorschläge im Umfang von max. einer Seite (ca. 300–400 Wörter) mit Titel sowie einer knappen Skizze von Fragestellung, Quellenbasis und ggf. methodischem Zugriff, ergänzt um kurze biographische Angaben. Einreichungen bitte bis zum 27. Oktober 2026 an:

Kilian Baumgartner (baumga65@ads.uni-passau.de)

 

Kontakt

Professur für Bayerische Landesgeschichte und europäische Regionalgeschichte Universität Passau, Innstraße 25, 94032 Passau.

 

 

 

Source: H-Soz-Kult